Niclas Bamberg
04.01.2006
Das Standardwerk für alle USA-Rechtler
Eine Rezension zu:
Peter Hay
US-Amerikanisches Recht
3. Auflage
C.H. Beck, München 2005, 299 Seiten, 24,- €
ISBN 3-406-53810-X
http://www.beck.de
Wer sich über ein ausländisches Rechtssystem informieren möchte, der benötigt ein möglichst leicht verständliches Lehrbuch, das Inhalte vermittelt, anstatt abzuschrecken.
Peter Hay hat sich der Mammutaufgabe gestellt, das U.S.-amerikanische Rechtssystem in einem Kurz-Lehrbuch abzubilden. Mittlerweile ist die 3. Auflage erschienen, in der
verschiedene Aktualisierungen und Neuerungen realisiert wurden.
Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Werk darauf, dem Studenten wie auch dem Praktiker einen praktischen Abriss über das U.S.-amerikanische Recht zu geben. Die grundsätzlich
unterschiedliche Herangehensweise im amerikanischen Recht im Vergleich zum deutschen Recht löst der Autor, indem er sehr kurz einen geschichtlichen Hintergrund zur
Entstehungsgeschichte liefert. Hieran schließt sich die Beschreibung der Rechtsquellen an, wobei hier schon auffällt, dass der Autor auch das rechtswissenschaftliche
Arbeiten mit dem Computer einbezogen hat. Die Nutzung des Computers in der juristischen Praxis ist in den USA noch weiter fortgeschritten als in Deutschland, da die
Anwendung des Caselaws zur Recherche nach gerichtlich entschiedenen Fällen zwingt, die dem zu bearbeitenden Fall ähnlich sind. Insofern ist die Aufnahme dieser Rechtsquelle
für den Rechtsanwender auch sehr wichtig.
Der Autor selbst liefert aber auch Fälle, die für das Grundverständnis der Rechtsauffassung der Amerikaner notwendig sind. Die Darstellung des öffentlichen Rechts enthält
trotz seiner Knappheit das Prinzip des Behördenaufbaus in den USA, mit welchem sich dem Leser die Einordnung von Behörden und die Anwendung von Rechtsmitteln gegen Akte der
Exekutive erschließen. Weiterführende Literatur ist dabei, wie überall im Buch, in den Fußnoten genannt, so dass der Rahmen der Darstellung niemals gesprengt wird. Ebenfalls
stellt der Autor neben der Gerichtsorganisation das Zivilprozessrecht dar. Die Darstellung ist trotz ihrer Knappheit sehr informativ und kann in vielen Fällen erschöpfende
Auskunft geben. Insbesondere sind die herausragenden Unterschiede zum deutschen Rechtssystem großzügig behandelt. Der Autor setzt dabei viel Wert auf Vollständigkeit. Auf
diese Weise wird auch die außergerichtliche Streitbeilegung gut besprochen.
Das materielle Recht findet ebenfalls Platz in diesem Buch. So geht der Autor nicht nur auf internationales Recht und die Verknüpfung des U.S.-amerikanischen mit dem
deutschen Recht ein, sondern gibt einen verständlichen Überblick über die einzelnen Rechtsgebiete. Die einzelnen Ansprüche werden besprochen und in den Kontext der deutschen
Regelungen gestellt. Angenehm ist die eingängige Anschauung des starken Einflusses der Abwägungsgesichtspunkte der maßgeblichen Präzedenzfälle auf die einzelnen
Anspruchsgrundlagen. Diese sind zahlreich durch Fußnoten belegt, so dass eine Vertiefung durch den Leser leichter wird. Das Familien- und Erbrecht sind so dargestellt, dass
– eine Vertiefung im deutschen Familien- und Erbrecht vorausgesetzt – eine schnelle Einarbeitung in die amerikanischen Prinzipien hierzu ermöglicht wird.
Gesellschafts-, Insolvenz- und Kartell-/Wettbewerbsrecht vertieft der Autor in einem Kapitel zum Wirtschaftsrecht. Die dortigen Umschreibungen sind informativ, bedürfen
jedoch noch der Eigenarbeit des Lesers, um den Stoff auch wirklich beherrschen zu können. Lobend ist zu erwähnen, dass den besonderen Gegebenheiten im Wirtschaftsrecht der
USA Rechnung getragen wurde, indem auch das Kapitalmarktrecht berücksichtigt wurde. Insgesamt gilt auch hier, dass der im jeweiligen deutschen Recht vorgebildete Leser
schneller den Einstieg findet. Nach Erfassung des Arbeits- und Sozialrechts werden auch Straf- und Strafprozessrecht besprochen, wobei hier am augenscheinlichsten die
Unterschiede zum deutschen Rechtssystem zu Tage treten. Das Buch wird durch einen ausführlichen Anhang abgerundet, der nicht nur die Verfassung der USA wiedergibt (ein
echter Mehrwert!), sondern auch das Berufsbild des Juristen in den USA darstellt. Die Unterschiede zum deutschen Berufsbild stechen dabei ins Auge und helfen damit auch zur
Orientierung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Das Buch enthält ebenfalls eine Aufstellung der wichtigen in dem Buch genannten Fälle sowie ein Stichwortverzeichnis.
Gesamteindruck:
Dieses Lehruch ist der ideale Einstieg in das U.S.-amerikanische Rechtssystem. Es gibt einige gute Bücher zum U.S.-amerikanischen Recht, doch erscheint dieses leicht
verständliche, in seinem Überblick jedoch sehr dichte Buch als exzellente Möglichkeit, sich mit dem Rechtssystem als solchem schnell und schwerpunktneutral auseinandersetzen
zu können. Seit den früheren Auflagen ist dabei die Aktualität vorbildlich beibehalten worden. Zudem zeigt der Autor, dass er dieses Buch auch vor allem an den Leser
richtet, der schnell und unkompliziert – zum Beispiel auf einer Geschäftsreise oder in einer Wahlstation in den USA – einen umfassenden Überblick über das Recht
der USA erhalten möchte. Die Qualität der Ausführungen ist unbestritten und ermöglicht dem Leser auch, die zur Vertiefung angegebenen Fundstellen verstehen zu können.
Insgesamt ist dieses Buch auch in seiner neuesten Auflage uneingeschränkt empfehlenswert.
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