Jurawelt

Artikel 10528
Nahed Samour,
Visiting Researcher, Harvard Law School

14.09.2005

Aktueller Überblick über die islamrechtliche Literatur mit kleinen Schönheitsfehlern

Eine Rezension zu:

Rüdiger Lohlker

Bibliographie des islamischen Rechts


Dr. Kovac, Hamburg 2004, 194 Seiten, 78,- €
ISBN 3-8300-1586-0

http://www.verlagdrkovac.de


"Warum noch eine Bibliographie zum islamischen Recht?", fragt Rüdiger Lohlker in seinem Vorwort zu diesem Band. Das es dieser Frage bedarf, verwundert, insbesondere – aber nicht nur – zu einer Zeit, wo das Interesse am islamischen Recht zunehmend wächst, und damit sowohl islamrechtliche Laien immer mehr Bezüge des islamrechen Rechts in ihre Werke einarbeiten, und andererseits IslamrechtlerInnen verstärkt aufgefordert werden, die Nachfrage nach wissenschaftlicher Aufarbeitung zeitgenössicher Debatten zu stillen. Damit dürfte also eine neue, erweiterte Bibliographie zum islamischen Recht große Beachtung finden. Die Frage müsste daher eher lauten "warum eine lückenhafte Bibliographie"? Es wird zwar vom Autor – verständlicherweise – kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, aber dennoch fehlen einige grundlegende Referenzen. Wenn dies eine Bibliographie für Kennerinnen der Materie sein soll, dann fehlt es an einer Reihe von spezielleren älteren und neueren Referenzen, wie beispielsweise Johansen, Baber, "Truth and Validity of the Qadi’s Judgement: a Legal Debate among Muslim Sunnite jurists from the 9th to the 13th centuries", Recht van de Islam, 14, 1997, 1-26 oder Gräf, Erwin, "Gerichtsverfassung und Gerichtsbarkeit im islamischen Recht", Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft, 58 (1955), 48-78 oder Krawietz, Birgit, "Der Mufti und sein Fatwa", Die Welt des Orients, 26, 1995, 160-180.

Was aber mehr verwundert ist das Fehlen grundlegender Werke, die mittlerweile auf jeder Literaturliste von Schülerinnen des islamischen Rechts stehen. Dies umso mehr, als die Autoren selbst aufgeführt sind, jedoch deren bekanntere und grundlegendere Werke fehlen. Dazu gehören, wenn auch nur Ausschnittsweise, die folgenden Werke:

Calder, Norman/Mojaddedi, Jawid/Rippin, Andrew (Hrsg.)
Classical Islam, A Sourcebook of religious literature
Routledge, London, New York, 2003.

Fitzgerald, S.Vesey
"The Alleged Debt of Islamic to Roman Law"
in: Edge, Ian (ed.)
Islamic Law and Legal Theory
Dartmouth 1996, pp. 81-102.

Lambton, Ann K.S.
State and Government in Medieval Islam: An Introduction to the study of Islamic Political Theory
The Jurists, Oxford; New York, Oxford University Press, 1981.

Jackson, Sherman
Islamic Law and the State: The Constitutitional Jurisprudence of Shihab al-Din al-Qarafi
E.J.Brill, Leiden, New York, Köln, 1996.

Massignon,
Louis Cadis et Naqibs Baghdadiens
Opera Minora, Beirut, 1963.

Mottahedeh, Roy P.
Lessons in Islamic Jurisprudence, Muhammad Baqir as-Sadr
translated and with an introduction by Roy P. Mottahedeh,
Oneworld Publications, Oxford, 2003.

Rosen, Lawrence
The Anthropology of Justice: Law as Culture in Islamic society
Cambridge, New York: Cambridge University Press, 1989.

Tsafrir, Nurit
The History of an Islamic School of Law, The Early Spread of Hanafism
Harvard University Press, Cambridge Mass, 2004.
(zugegebenermaßen erst kurz vor Erscheinen der Bibliographie veröffentlicht).

Tyan, Emile
L’Histoire de l’organisation judiciaire en pays d’Islam
Leiden: E.J.Brill, 1960.

Vogel, Frank
Islamic Law and Legal System
E.J.Brill, Leiden, New York, Köln, 2000.

Zaman, Muhammad Q.
The Caliphs, the ‘Ulama’, and the Law: Defining the Role and Function of the Caliph in the Early ‘Abbasid Period
Islamic Law and Society, 1997.

Auch die zum modernen islamischen (Menschen-) Rechtsdebatte maßgebenden Bücher von An-Naim, Abudallahi sowie der Sammelband von Charles Kurzman "Liberal Islam" mit zahlreichen Artikeln zur Rechtsmethodik finden hier überraschenderweise keine Erwähnung.

Positiv fällt jedoch auf, dass gelegentlich auch auf digitale Artikel im Internet hingewiesen wird. Damit greift Lohlker zu Recht auf, dass insbesondere der zeitgenössische Diskurs in nicht unerheblichem Maße auf das Internet verlegt worden ist. Dass muslimische Beiträge aufgeführt wurden, ist ebenfalls besonders zu begrüßen, jedoch sind diese noch zahlenmäßig äußerst gering. Für eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem islamischen Recht sind letztlich auch Sekundärquellen in arabischer (aber auch persischer und türkischer Sprache) notwendig. Darauf wird man wohl noch eine Weile warten müssen, eine entsprechende Quellensammlung würde aber sicherlich auf ein dürstendes Publikum stoßen.

Was die Form betrifft, so wäre eine Aufteilung nach Themengebieten empfehlenswerter als die bloße alphabetische Autorenliste. Sowohl dem Laien als auch dem Fachexperten ist damit ein schnellerer Zugriff gesichert, auch wenn sich Werke zugegebenermaßen nicht immer nur einem Gebiet zuordnen lassen. Hilfreich sind daher die kurzen Stichwörter unter jedem Eintrag, die eine Zuordnung erleichtern. Unschön ist, dass mal nur der Sammelband alleine aufgeführt wird und dann wieder einzelne Aufsätze von anderen Sammelbänden.

Wünschenswert wäre zuletzt eine abschließende Aufzählung von digitalen Datenbanken, wie beispielsweise

Al-Islam- Resources and Information
http://www.al-Islam.com

al-Azhar Al Sharif Islamic Research Academy
http://www.alazhar.org/index2.htm

CIMEL (Centre of Islamic and Middle Eastern Law), London University
http://www.soas.ac.uk/Centres/IslamicLaw/Materials.html

Islamic Finance Project, Islamic Legal Studies Program, Harvard Law School
http://www.hifip.harvard.edu
"Öffentlich-rechtliche Assessorklausuren mit Erläuterungen" von Andreas Decker / Christian Konrad
Bochum
Esslingen, Rechtsanwälte Sauer & Kollegen
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