Ralf Hansen
Eine kurze Einführung in internationales Handelsvertragsrecht
Eine Rezension zu:
Rainer Gildeggen
Internationale Handelsgeschäfte
Eine Einführung in das Recht des grenzüberschreitenden Handels
München: Vahlen, 2000, 305 S., DM 48,00,-
ISBN 3-8006-2563-6
http://www.vahlen.de
Das Buch richtet sich in erster Linie an Studenten der Wirtschaftswissenschaften und wirtschaftsrechtliche Studiengänge an Fachhochschulen, ist aber auch interessant für den
am internationalen Handelsrecht interessierten Jura - Studenten oder Rechtsreferendar für einen ersten Überblick, da leichte faßliche Einführung in diesen interessanten
Bereich nicht sehr häufig aufgelegt werden. Das Lehrbuch orientiert sich insoweit an US - amerikanischen Vorbildern und will insbesondere die "Verzahnung" der verschiedenen
rechtlichen Aspekte bei der Behandlung grenzüberschreitender Verträge im systematischen Überblick transparent machen. Dies Ziel wird auch deutlich erreicht. Die Darstellung
ist überaus gelungen. Der Verfasser stellt etwa auch kurz die Zusammenhänge der Entwicklung grenzüberschreitender Verträge zur wirtschaftlichen Globalisierung als einem
Prozeß internationaler Verflechtung von Märkten (und Kulturen) her. Der Vorteil des Bandes besteht darin, daß deduktive und induktive Darstellungen verflochten werden.
Regelmäßig werden Fälle in die Darstellung integriert. Bei grenzüberschreitenden Verträgen steht zunächst die Frage im Zentrum, wie man herauszufindet, welches Recht
überhaupt Anwendung findet. Die Rechtsquellenlehre des internationalen Handelsrechts ist eng mit dem schwierigen Internationalen, d.h. jeweils nationalen, Privatrecht
verbunden und der Überlagerung des IPR durch Normen völkerrechtlicher Verträge. Diese Zusammenhänge werden leicht faßlich dargestellt, bedürfen aber selbstredend der
Vertiefung, da das betreffende Kapitel angesichts der Hauptzielgruppe unter juristischen Aspekten etwas oberflächlich anmutet. Jedoch werden die Zusammenhänge auch unter
soziologischen Aspekten deutlich herausgestellt. Manche hier noch offenen Fragen zur Rechtsquellenlehre klären sich indessen beim folgenden Kapitel über den internationalen
Warenkauf, einer der wichtigsten und interessanten Materien des internationalen Handelsrechts. Gut ausgewählte Fundstellen zur Vertiefung werden hinreichend gegeben.
In diesem Zusammenhang werden insbesondere das CISG und die Incoterms eingehend erklärt. Die Ausführungen zur Ermittlung des auf den grenzüberschreitenden Warenkauf
anwendbaren Rechts geben Gelegenheit die Kenntnisse aus dem vorangegangenen Kapitel zu vertiefen. In diesem Rahmen wird auch in einer sehr lesenswerten Skizze das
Internationale (deutsche) Privatrecht des Rechts der Schuldverträge erläutert, das eine Rechtswahl zugunsten eines anderen Rechts grundsätzlich zuläßt. Allerdings finden
sich auch Ausführungen zum Kollisionsrecht des USA, deren Gerichte allerdings immer noch dazu neigen, das Recht ihres jeweiligen Sitzstaates als lex fori zu berufen. Der
Verfasser verdeutlicht dem Leser auch die Folgen der Berufung einer anderen Rechtsordnung als der eigenen durch Kollisionsrecht, die bei internationalen Handelsverträgen zu
einer sehr differenzierten Klauselpraxis und der Bestimmung der Anwendbarkeit eines jeweiligen Rechtes geführt haben. Wenig findet sich indessen zur Abwicklung nichtiger
Verträge nach internationalem Bereicherungsrecht. Die Anwendungsprobleme werden durch das UN-Kaufrecht als materiellem Sachrecht im Rahmen seines Anwendungsbereiches
deutlich vermieden, bei Abgleichungsproblemen zum Kollisionsrecht im übrigen. Die vielleicht etwas knappen Darlegungen zum CISG gehören sicherlich zu den bestverständlichen
ihrer Art, insbesondere weil stets der Bezug zur Fallpraxis hergestellt wird. Dies gilt auch für die Skizze zur internationalen Produkhaftung. Es gelingt dem Verfasser diese
schwierige Materie überaus verständlich zu vermitteln. Etwas kurz werden die Incoterms behandelt. Lesenswert sind auch die Ausführungen zur Zahlungssicherung namentlich zum
Akkreditiv. Berücksichtigt wird auch das internationale Verbraucherrecht, auf daß das CISG nicht anwendbar ist. Zu begrüßen ist die Einbeziehung des E-Commerce in die
Darstellung namentlich hinsichtlich des Internetkaufes etwa von Büchern als dem hier gewählten Beispiel. Materiellrechtliche ("Vor-") Fragen können sich indessen auch
bereits bei der Ermittlung der örtlichen internationalen Zuständigkeit ergeben. Der Verfasser bezieht erfreulicherweise auch Vertragsformulare in die Darstellung ein, etwa
hinsichtlich eines "Contracts of Sale".
Das Buch behandelt ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit herausgehobene Aspekte der Materie, aber immerhin auch den internationalen Anlagenvertrag sowie Handels- und
Vertragshändlerverträge. Sehr lesenswert sind die Ausführungen zum immer wichtiger werdenden internationalen Lizenzvertrag. Hier finden sich auch knappe Ausführungen zum
internationalen Patent - und Markenschutz. Ein eigenes Kapitel ist dem Rechtsschutz bei internationalen Handelsverträgen gewidmet, das auch die wichtige internationale
Schiedsgerichtsbarkeit in die Darstellung einbezieht. Es mag etwas merkwürdig anmuten, in einer solchen Darstellung auch strafrechtliche Materien zu finden zu finden, aber
der Verfasser hat ein hochinteressantes Kapitel über Korruption im internationalen Wirtschaftsverkehr aufgenommen, deren Bedeutung nicht nur in diesem Bereich, aber gerade
da, auf der Hand liegt. In einem Anhang finden sich maßgebliche Rechtsgrundlagen im Wortlaut.
Dem Verfasser ist eine überaus lesenswerte Einführung in die Kernprobleme des internationalen Handelsvertragsrechts gelungen, die sicher ihre Leser finden wird.
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