Jurawelt

Artikel 8939
Stefanie Samland
05.03.2004

Letzte Wiederholung vor dem Examen

Eine Rezension zu:

Barbara Grunewald

Bürgerliches Recht


6. Auflage

JuS-Schriftenreihe Band 87

C.H. Beck, München 2003, 279 Seiten, 19,50 €
ISBN 3-406-51332-8

http://www.beck.de

Rezension zur Vorauflage


Auf dem Buchklappentext kündigt Grunewald an, den examensrelevanten Pflichtstoff darzustellen. Dies erinnert an das gleichnamige Werk von Medicus, das vielfach als unverzichtbar zur Examensvorbereitung bezeichnet wird. Dieser hat jedoch mit gut 700 Seiten einen erheblich größeren Umfang als das vorliegende Büchlein aus der JuS-Schriftenreihe – bei etwa gleichem Preis. Da stellt sich die berechtigte Frage, ob bei Grunewald tatsächlich der komplette Pflichtstoff enthalten sein kann – und die Frage wird um so berechtigter, wenn man die Neuerscheinung von Plate aus dem Hause Springer mit dem Titel "Das gesamte examensrelevante Zivilrecht" mit über 1.200 Seiten zur Kenntnis nimmt.

Das Buch von Grunewald ist in der Abteilung "Repetitorien" der JuS-Schriftenreihe erschienen. Dies macht deutlich, dass es nicht vordergründig als Basis für die Examensvorbereitung, sondern eher als Wiederholung vor dem Examen gedacht ist. So erklärt sich auch der komprimierte Umfang, beim Leser werden grundlegende Vorkenntnisse vorausgesetzt.

Ein Streifzug durch das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass wahrlich alle entscheidenden Themen behandelt werden. Im BGB AT werden u.a. Willensmängel, Stellvertretung und Minderjährigkeitsrecht behandelt, insgesamt umfasst dieser Teil 54 Seiten und beinhaltet auch schon das Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Regelungen zu den Leistungsstörungen im allgemeinen Schuldrecht werden recht ausführlich thematisiert, dagegen finden sich zur Mängelhaftung bei den Vertragsarten nur recht knappe Ausführungen zu Kauf- (12 Seiten), Miet- und Werkvertrag (je 3 Seiten). Es folgt ein Kapitel zur Drittwirkung von Schuldverhältnissen, in dem die klausurrelevanten Fragen des Vertrags zugunsten Dritter, des Vertrags mit Schutzwirkung für Dritte und der Drittschadensliquidation erläutert werden. Schließlich werden der Schutz von Rechten aus dem Eigentum, der Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrecht, aber natürlich auch die Ausgleichsschuldverhältnisse aufbereitet. Das Schadensrecht, der Erwerb von Forderungen und Eigentum sowie die Sicherungen und ein Teil zum Erwerb von Todes wegen runden das Buch ab. Gar nicht behandelt wird das Familienrecht.

Die Erläuterungen beschränken sich jeweils auf das Wesentliche, was jeder Examenskandidat wissen muss – und bei der Lektüre dieses Buches schon wissen sollte. Grunewald bietet quasi eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus dem bürgerlichen Recht. In den Nachweisen der Fußnoten kann der Leser Unklares noch einmal weiterverfolgen. Was jedoch fast den Hauptteil und auch den Hauptertrag des Buches ausmacht, sind die Fälle aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Diese sind in die Erläuterungen eingebettet und beschäftigen sich jeweils mit dem aktuell behandelten Thema, enthalten aber auch Aspekte aus anderen Thematiken. Die Verfasserin wählt bewusst komplexe Fälle, um ein Denken in Zusammenhängen zu fördern. Etwas zum Schmunzeln angeregt wird der Leser durch die Tatsache, dass die Sachverhalte original wiedergegeben werden – also z.B. mit DM-Angaben –, aber nach heutigem Recht gelöst sind.

Gesamteindruck:
Dieses Buch nimmt den Leser nicht an die Hand, um ihm die Basics zu erläutern. Hier wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet oder jede Theorie ausgebreitet – stattdessen verlangt das Buch von Grunewald vom Examenskandidaten Vorwissen, Mitdenken, Arbeit am Gesetz und den Strukturen des bürgerlichen Rechts. Wer dieses Buch durchgearbeitet und verstanden hat, dürfte auch den nicht (mehr) behandelten Rest verstanden haben. Mithin ersetzt es nicht die Examensvorbereitung durch ausführlichere Literatur, sondern eignet sich hervorragend als letzte Lernkontrolle bzw. Auffrischung vor dem ersten und zweiten Examen.
"Öffentlich-rechtliche Assessorklausuren mit Erläuterungen" von Andreas Decker / Christian Konrad
Bochum
Esslingen, Rechtsanwälte Sauer & Kollegen
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