Stefanie Samland
Anspruchsvolle Klausurensammlung
Eine Rezension zu:
Jörn Eckert / Christian Hattenhauer
75 Klausuren aus dem BGB
mit Lösungsskizzen
11. Auflage
Luchterhand, Neuwied 2003, 217 Seiten, 15,90 €
ISBN 3-472-05251-1
http://www.luchterhand-fachverlag.de
75 Klausuren auf gut 200 Seiten, dies scheint auf den ersten Blick ein unmögliches Unterfangen zu sein. Der Untertitel verrät, wie dies zu bewältigen ist. Die Autoren haben
neben den Klausuren keine vollständigen Lösungen, sondern nur Lösungsskizzen veröffentlicht. Hiermit wird auch schon deutlich, dass sie sich nicht vordergründig an
Studienanfänger, sondern an fortgeschrittene Studenten richten. Wer auf die große Übung oder das Examen zugeht, sollte den Gutachtenstil und Prüfungsaufbau beherrschen,
daher reichen in diesem Fall auch Lösungsskizzen, die die Schwerpunkte der Lösungen aufzeigen. Auch das Niveau der Fälle ist dieser Zielgruppe angepasst.
Schon in Klausur 1, der als einziger mit einer ausformulierten Lösung versehen wurde, werden Schuld- und Sachenrechtsansprüche kombiniert in den Fall eingebaut. Die
Schwerpunkte liegen in der Prüfung der Geschäftsführung ohne Auftrag, die man hier ohne Vorkenntnisse kaum erkannt hätte, sowie in Ansprüchen aus einem
Eigentümer-Besitzer-Verhältnis. Die Musterlösung ist so ausführlich, wie man sie nur in fünf Stunden Bearbeitungszeit erstellen kann und im Gutachtenstil gehalten. Zudem
werden weitere Hinweise in Fußnoten gegeben.
Auch in Klausur 3 wird nicht einfach nur die Konstellation der Stellvertretung problematisiert, sondern es findet ein Ausflug ins HGB und eine Diskussion der Anfechtbarkeit
einer Duldungsvollmacht statt. Teilweise sind die Fälle nicht nur inhaltlich anspruchsvoll, sondern auch zeitlich recht umfangreich, so z.B. Fall 14, wo es u.a. um
gutgläubigen Eigentumserwerb, Werkvertragsrecht und Schadensersatzansprüche nach neuem Schuldrecht geht.
Die Mischung der Themen ist sehr gelungen. Die Konzentration liegt entsprechend der Klausurrelevanz auf dem Schuld- und Sachenrecht. Dies wird jedoch des öfteren mit
Querverweisen in das Handelsrecht, das Zivilprozessrecht oder sogar in das Insolvenzrecht versehen. Die letzten drei Klausuren behandeln schließlich das Familien- und
Erbrecht.
Ebenfalls vorteilhaft ist, dass im Inhaltsverzeichnis keine Schwerpunkte für die einzelnen Klausuren angegeben sind, dies soll den Lerneffekt erhöhen. Zu bemängeln sind
jedoch zwei Dinge. Zum einen ist in Klausur 2 in der Fallfrage nach Ansprüchen zwischen zwei Personen gefragt. Die Lösungsskizze enthält jedoch auch Prüfungspunkte, in denen
Ansprüche gegen einen Dritten geprüft werden. Dies wäre in einer echten Klausur sicher bemängelt worden. Zum anderen verwenden die Verfasser das dekadische
Gliederungssystem, obgleich dieses bei Juristen nicht vorherrschend ist. Im Grunde wäre dies auch vertretbar, da es nicht "verboten" ist, jedoch hört bei "1.1.1.1.3.1.2.3.1"
(siehe Lösungsskizze Klausur 3) in der neunten Gliederungsebene die Übersichtlichkeit auf. Kombiniert mit der Art und Weise, wie Fußnoten – abgesehen von der
Musterlösung, wo die Fußnoten durchnummeriert sind – zitiert werden, nämlich mit *, **, *** usw., kommen am Ende Kennzeichnungen wie "3.2.1.4.3.2****" bei heraus, die
schon in die zweite Spalte mit dem zugehörigen Text der Lösungsskizze zusammenfallen (siehe Lösungsskizze Klausur 71). Hier wäre für eine Neuauflage zu einer Änderung in der
Gliederungsart oder -struktur sowie in der Nummerierung der Fußnoten zu raten.
Gesamteindruck:
Abgesehen von der unglücklichen Gliederung der Lösungsskizzen ist das vorliegende Buch hervorragend zur Examensvorbereitung geeignet. Es sind anspruchsvolle Fälle
vorgegeben, die sich nicht auf ein Problem beschränken, sondern größtenteils den Umfang von Examensklausuren haben (auch wenn die teilweise recht kurzen Sachverhalte hier
täuschen). Durch die Vorgehensweise, nur Lösungsskizzen abzudrucken, die völlig ausreichend ist, wird eine Vielzahl von Klausuren auf 200 Seiten ermöglicht. Der Preis ist
daher sehr angemessen.
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