Thomas Franosch
"Kinder statt Inder" ?
Eine Rezension zu:
Peter Littig
Berufe mit Zukunft:
Karriere in der IT-Branche Berufseinstieg - Tätigkeitsprofile - Zukunftschancen
1. Auflage, Frankfurt: Eichborn AG, Frankfurt 2000, 197 Seiten, 29,80 DM
ISBN 3-8218-1634-1
http://www.eichborn.de
Die Diskussion über die Greencard hat in der Vergangenheit für kontroverse Diskussionen gesorgt. Dabei wurde im Wahlkampf sogar der Slogan "Kinder statt Inder" von einer
Partei ins Leben gerufen. Das zeigt den Mangel an Fachkräften deutlich: Die IT-Branche hat nicht genügend Nachwuchskräfte. Den Interessierten sind meist auch die
Alternativen zum Informatikstudium nicht bekannt. Littig zeigt in seinem Buch die verschiedenen Möglichkeiten, in die IT-Branche einzusteigen. Dabei wird von ihm nicht nur
das bekannte Informatikstudium beschrieben, er geht auch auf die neuen Ausbildungsberufe (IT-Systemelektroniker, Fachinformatiker, IT-Systemkaufmann, Informatikkaufmann)
ein, beschreibt neue Studienmöglichkeiten und zeigt die Möglichkeiten eines Quereinstieges auf.
Die Ausführungen zu den Ausbildungsberufen werden übersichtlich, in einer tabellarischen Form aufgelistet. So ist es schnell möglich, einen Überblick über die Unterschiede
der Aufgabenfeldern und in der Ausbildung zu finden. Eine kritische Auseinandersetzung der Akzeptanz dieser Ausbildungsberufe am Markt wäre jedoch wünschenswert
gewesen.
Das Kapitel über die Studiengänge beginnt mit einer Kritik der traditionellen Studiengänge. Wer mit dem Gedanken spielt, später Informatik zu studieren, der sollte dieses
Kapitel ausführlich lesen. Es werden neben dem Informatikstudium auch noch das Studium der Medieninformatik, der Wirtschaftsinformatik, der Softwaresystemtechnik und weitere
spezialisierte Informatikstudiengänge vorgestellt. Der Anhang des Buches bietet direkt die entsprechenden Adressen, um weitergehende Detailinformationen zu bekommen.
Auch wird der Quereinstieg vom Autor nicht vernachlässigt. In vielen Unternehmen wird in der Softwareentwicklung und ähnlichen Positionen ohne spezielle Ausbildung
gearbeitet. Aufgrund der sich häufig wandelnden Anforderungen und immer neuer Techniken bleibt eine Weiterbildung auch für Nicht-Quereinsteiger notwendig. Dass dabei der
Europäische Computerführerschein erwähnt wird, ist eigentlich nicht notwendig. Dieser ist eher als Zusatzqualifikation für andere Berufe (z.B. Kaufleute) anzusehen. Dafür
spricht alleine die Anforderung, den Computer "ordnungsgemäß ein- und ausschalten" zu können. Gut ist die Nennung der Industriezertifikate. Diese sind in der Praxis mehr
anerkannt als eine Ausbildung im IT-Bereich. Wobei es natürlich immer auf den Einsatzbereich ankommt. Ein wenig fehlt hier ein Kapitel für "Autodidakten", die derzeit noch
gute Berufsaussichten haben. Viele Programmierer oder Systemadministratoren haben sich ihre Kenntnisse durch "learning by doing" angeeignet. Hier wäre eine kritische
Auseinandersetzung mit dem echtem Quereinstieg wünschenswert gewesen.
In dem Abschnitt Tätigkeitsprofile beschreibt Littig die Anforderungen anhand von Stellenanzeigen, sehr praxisorientiert die verschiedenen Anforderungen. Eine Spalte mit dem
Jahreseinkommen gibt Anhaltspunkte für die späteren Verdienstmöglichkeiten. Auch wenn die Spanne - sicher bewuß - weit gewählt worden ist. Durch die Tätigkeitsprofile anhand
von Stellenanzeigen wird der Zusammengang zwischen Ausbildung und späterer Tätigkeit gut dargestellt.
Abschließend kann festgesellt werden, dass das Buch jedem Schulabgänger empfohlen werden kann, der sich mit dem Gedanken trägt, im IT-Sektor Fuß zu fassen. Für den "echten"
Quereinsteiger ist das Buch wohl eher nicht sinnvoll. Jedoch kann auch das Buch nicht die Entscheidung abnehmen, wie der berufliche Werdegang am besten zu starten ist. Hier
zeigt sich das Internet wohl als ausführlichere und bessere Informationsquelle.
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